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Wunderland // Julienne Mbodjé, John Carpenter // Foto: Laura Nickel / 2018
Wunderland // Julienne Mbodjé, John Carpenter // Foto: Laura Nickel / 2018
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Musikalisch mäandernd – Anno Schreiers „Wunderland“ am Theater Freiburg

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Musiktheater braucht nicht viel. Bei Anno Schreiers Songzyklus „Wunderland“ sind es nur drei Sänger und vier Instrumente (Akkordeon, Klarinette, Schlagzeug, Kontrabass), die die einzelnen Stationen, die Alice im Wunderland erreicht, zu kleinen Szenen gestaltet. Lewis Carrolls Fantasieroman aus dem Jahr 1865 hat schon mehrere Komponisten wie Unsuk Chin oder Johannes Harneit zu groß besetzten Opern inszeniert. Schreiers einstündiges „Wunderland“ (2013) kommt dagegen ganz leichtfüßig daher.

Wie die Mezzosopranistin und der Bariton in verschiedene Rollen schlüpfen, so zieht sich der Karlsruher Komponist für die einzelnen Szenen auch musikalisch unterschiedliche Kostüme an – die Nähe zur Unterhaltungsmusik ist schon im Werkbegriff „Songzyklus“ enthalten. Librettist Alexander Jansen verzichtet auf eine klare Handlung und lässt Alices Reise eher wie ein Traum ablaufen. Es gibt keine erklärenden Texte und der Zusammenhang zwischen den Liedern ist sehr lose. Das schafft zwar eine große Offenheit, lässt aber auch wenig theatralische Spannung entstehen. Aber am Freiburger Theater (Kleines Haus) schaffen es Regisseur Jörg Behr und sein Ausstatter Marc Weeger bei dieser Produktion (Altersempfehlung: 10 +) trotzdem, zwischen Karussell und überdimensionierter Sanduhr eine Geschichte vom Erwachsenwerden zu erzählen. Vor allem aber ist es die zugängliche, immer wieder auf starke Kontraste setzende Musik von Anno Schreier, die selbst schon viel Theatralisches in sich trägt.

Die Sopranistin Irina Jae Eun Park ist in ihrem blauen Mädchenkostüm eine zarte Alice, die mit einer sehr beweglichen Stimme und klarer Diktion die Titelfigur zum Leben erweckt. Julienne Mbodjé und John Carpenter reichern dieses Wunderland mit skurrilen Gestalten an. Beide tragen Catsuits mit Karomuster, die als Grundausstattung der Figuren dienen – vom weißen Kaninchen über das Walross bis zum Hutmacher. Anno Schreier wechselt nicht nur die Stile von Lied zu Lied, sondern variiert auch die Besetzung (musikalische Leitung: Daniel Carter). Da können auch mal ausschließlich Schläge auf der Conga (Tilmann Collmer) eine Szene prägen wie bei Dideldum und Dideldei. Die Gedanken der bekifften Raupe werden mit den wie improvisiert klingenden Girlanden der Klarinette (Sonja Villforth) in Szene gesetzt. Beim Lied des Zimmermanns spielt Sänger John Carpenter sogar selbst die Ukulele. Alice lässt sich vom Saal der verschlossenen Türen bis zur Grinsekatze treiben, die Julienne Mbodjé mit geschmeidigen Bewegungen und feinem Legato zu einem echten Höhepunkt werden lässt. Musikalisch mäandert der Abend von Barock bis Blues und vom Choral bis zum Countrysong. Auf schrägere Töne verzichtet der Komponist zugunsten einer hohen Verbindlichkeit und Variationsreichtums. Am Ende ist für Alice das Tor zur Kindheit verschlossen – aber die Kraft der Fantasie hat sie auf ihrer Reise entdeckt.

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